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Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Moderator: Angelika

mike64
Beiträge: 5
Registriert: 1. Jan 2012, 14:35

Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Beitragvon mike64 » 21. Jan 2012, 17:58

Hallo

mich beschäftigt derzeit eine Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel.

Was bewirkt ein Konstitutionsmittel eigentlich?

Wenn ich es richtig verstanden habe soll es den Patienten allgemein betrachtet stärken. Was ist aber mit den persönlichen Schwächen? Prinzipiell funktioniert alles doch nur wenn der Patient irgendwie in seiner Persönlichkeit verändert wird um die Schwächen zu kompensieren. Eine Zielrichtung "Einheitsmensch ohne Macken" wird es nie geben und wäre auch sinnlos. Welche Veränderungen sind tatsächlich möglich und wo liegen unerwünschte Veränderungen?

Ich frage deshalb, weil ich aufgrund meiner langjährigen Angststörung ,die ich in einem anderen Thread genauer beschrieben habe mit Arsenicum Album LM6 und noch 2 Einmalgaben an Folgemitteln behandelt wurde. Ich fühle mich in meinem Wesen sehr verändert, mehrere Wochen nach der letzen Gabe einfach abgestumpft, sehr gedämpfte Körperwahrnehmung, benebelte Wahrnehmung und Elend, ohne Lebensenergie teilweise mit Symptomverschiebungen, teilweise greift die Angst und Spannung aus dieser Nebelwand quasi aus dem Hintergrund getarnt an, nicht direkt fühlbar, aber an den Auswirkungen wahrnehmbar - einfach schrecklich. Die Angst ist also nicht behandelt, nur vernebelt. Arsenicum war wohl nicht mein Mittel, auch wenn ich schon auffällig in die Beschreibung passe. Allerdings habe ich heute eine Beschreibung von Nux Vomica gelesen, an der ich kaum was zu streichen hätte. Bei Beschreibungen anderer Autoren kann das wieder ganz anders aussehen. Es scheint schwer zu sein, das richtige Mittel zu finden. Ich hänge leider immer noch in Verschlechterungen fest und habe keine Ahnung wo der Weg hingeht. Ich kenne mich selbst nicht mehr wieder und mein Arzt macht mir auch einen ratlosen Eindruck. Zumindest hat er einen solchen Verlauf in seiner langjährigen Erfahrung noch nicht gemacht.

Die Sorge liegt also im Bereich, wie sehr mich ein Medikament verändert, und wie lange dieser Zustand anhält. Ich traue mich gar nicht wirklich an einen neuen Stoff ran.

Mike


mari-san
Beiträge: 3
Registriert: 18. Jan 2012, 15:26

Re: Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Beitragvon mari-san » 22. Jan 2012, 12:13

Hallo Mike,

ich antworte als Betroffene, also auch aus der Sicht des bisher leider ohne durchschlagenden Erfolg - wofür es verschiedene Gründe geben und was durchaus bei manchen vorkommen kann - behandelten Patienten.

Mein Homöopath und auch ein Heilpraktiker haben bei mir verschiedene Mittel versucht, mein Zustand hat sich aber nur geringfügig verbessert und aufgrund von der Gabe hoher Potenzen (C200) teilweise sogar stark verschlechtert.
Obwohl ich den Arzt darauf hingewiesen habe, dass bereits eine C6 Nebenwirkungen verursacht hatte, hat er mir im Anschluss, diesmal ohne Bekanntgabe des Mittels (damit es nicht zu unerwünschten Einwirkungen durch das Lesen des Arzneimittelbildes kommt), wieder eine C200 gegeben, wie er mir auf Anfrage gesagt hat. Das Mittel hat mich wieder umgehauen, ohne dass ich zunächst Namen und Höhe der Potenz kannte.

Zwar dürfte inzwischen klar sein - mir war es sowieso klar, aber ich habe auf das Wissen und die Erfahrung des Therapeuten vertraut - dass ich keine Hochpotenzen vertrage, bin einfach generell auf alle möglichen Substanzen empfindlich, und es gibt viele Menschen, die dasselbe Problem bzw. eine solche Konstitution haben. Aber nun scheint es mir, dass ich durch diese stärkeren Potenzen noch mehr durcheinander gekommen bin, die unerwünschte Wirkung ließ sich auch durch die Einnahme von Campher D1 nur geringfügig abschwächen.
Im Vordergrund standen zu Beginn der homöopathischen Konsultation v.a. eine depressive Symptomatik, Konzentrationsprobleme sowie Angst und Nervosität infolge einer Überreaktion auf die intravenöse Gabe von Novalgin (Schmerzmittel).

Möglicherweise ist bei manchen Patienten, eventuell so auch bei Dir, die Anwendung von höheren Potenzen nicht angeraten. Ich habe gelesen, dass bestimmte Konstitutionstypen wie z.B. Sepia oder Lycopodium u.a. keine Hochpotenzen vertragen. Inwieweit das durch die Erfahrung der meisten Homöopathen bestätigt ist, vermag ich selbstverständlich nicht zu beurteilen. Manche Homöopathen raten scheinbar bei hoher Empfindlichkeit zu LM-Potenzen aufgelöst auf einen halben oder einen ganzen Liter Wasser, davon dann eine Löffelspitze eingenommen; in Abhängigkeit von der Reaktion des Patienten wird die eingenommene Menge gesteigert oder die Menge des Wassers, worin das Mittel getröpfelt wurde, verringert.

Vielleicht kannst Du mit einer sanfteren Einnahmemethode besser zurecht kommen oder eine andere Behandlungsmethode wählen, z.B. Akupunktur/ TCM, Anthroposophie, Sport, Diätetik, anderes psychotherapeutisches Verfahren etc. Ein wenig ist es auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten.
Sind bei Dir mögliche Mangelerscheinungen, Infektionen oder sonstige Erkrankungen (z.B. Schilddrüse) vom Hausarzt oder Internisten ausgeschlossen worden? Manchmal kann es, wenn ich es aus dem bisher Gelesenen richtig verstanden habe, auch so etwas wie eine Heilungsblockade geben.

Alles Gute Dir und nicht aufgeben!
maris-san

Ullel
Beiträge: 48
Registriert: 17. Mär 2005, 19:45

Re: Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Beitragvon Ullel » 22. Jan 2012, 19:49

Hallo,

im Verlauf einer hom. Behandlung kann es zu einer Erstreaktion kommen, bei der sich die ursprünglichen Beschwerden kurz verstärken. Dies hält jedoch nicht stark an und ist in der Regel keine starke Reaktion.

Kommt es zu einer anhaltenden starken Verschlechterung des Gesamtbefindens, so kann das unterschiedliche Ursachen haben. Evtl. sollte die Mittelwahl oder die Dosierung überdacht werden. Auch störende Einflüsse oder Blockaden können ursächlich sein. Dies kann ein gut ausgebildeter erfahrener Homöopath beurteilen.

Ein ausgewähltes Mittel bezieht sich auf den ganzen Menschen (nicht nur auf eine isolierte Erkrankung). Damit ist natürlich auch der derzeitige seelische Zustand einbegriffen. Z.B. Gereizt, wütend, traurig, ängstlich etc.)

Bei der hom. Behandlung wird der Charakter eines Menschen nicht verändert, trotzdem kommt es oft zu spürbaren Veränderungen. Ein Mensch der z.B. nie "Nein"sagen kann, spürt unter der hom. Behandlung, wann es ihm zu viel wird, und lernt "Nein" zu sagen. Der Mensch bekommt sozusagen wieder mehr Zugang zu sich und seinen Bedürfnissen. Damit wird aber nicht der grundsätzliche Charakter verändert. Der Mensch der lernt "Nein" zu sagen, wird trotzdem ein hilfsbereiter Mensch bleiben, mit dem Unterschied, daß er auch mal Hilfe ablehnen kann, um sich selbst zu schützen.

Gruß
Ulli

Pipapo
Beiträge: 3
Registriert: 3. Sep 2014, 21:47

Re: Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Beitragvon Pipapo » 9. Okt 2014, 20:04

Laber Rhabarber, lieber Ulli!

Es kann leider SEHR WOHL durch homöopathische Mittel zu einer Veränderung des Menschen kommen- siehe Deine Dir vorgeschalteten Beiträge- und nun hier auch noch mein Beitrag! Mach(t) erst einmal selbst so schlimme Erfahrungen....vom grauen Theoretisieren ist hier keinem geholfen, sorry to tell you.

Die Homöopathie- und hier insbesondere die Gabe von Hochpotenzen- ist in ihrer mitunter unheilvollen (!) Wirkung nicht zu unterschätzen.

Im Übrigen, liebe mari- san, ist es ja auch ein Unding von Deinem Homöopathen, Dir (obwohl Du ihn über Deine Überempfindlichkeit auf homöopathische Mittel im Vorfeld in Kenntnis gesetzt hattest) dennoch erneut eine Hochpotenz zu verabreichen....garniert mit dieser ganzen typisch homöopathischen Geheimniskrämerei, als da wären: strenge Geheimhaltung des verabreichten Mittels etc. pp. Schon diese ganze (Un-)art und Vorgehensweise der Homöopathen ist mehr als fragwürdig.

Mir ist übrigens exakt dasselbe passiert wie mike und Dir.....trotz bekannter Überempfindlichkeit auf niedrigste Potenzen (alleiniges Riechen an mir völlig unbekannten Mitteln ruft schon Prüfungssymptome hervor) hat mein Homöopath mich mit einer C 10 000 Potenz eines für mich völlig falschen Mittels bombardiert- und ich habe bis heute schlimmste Prüfungssymptome und bin (wie mike64 es so richtig schrieb) einfach nicht mehr ich. Es ist, als wäre meine "Festplatte", nämlich das, was mich als Menschen immer ausgemacht hat, weggelöscht worden und mit einer anderen Fehlinformation überschrieben worden. Es ist eine solche QUAL!

Und bevor jetzt wieder all die Homöopathie- Befürworter und "das kann doch aber gar nicht sein"- Leute auf den Plan treten: Vergeßt es! Es KANN leider sein!

Nicht ohne Grund gehen klassisch- anthroposophisch arbeitende Ärzte nicht über eine C 30- Gabe hinaus! Dieses wird damit begründet, daß man mit darüber liegenden Potenzen "zu sehr in das Gott- gegebene (!) Geistes- und Gemütssystem eingreift". Wie klug- und wie wahr!

Die Homöopathen schmeißen mit ihren Mittelchen, insbesondere den gefährlichen Hochpotenzen, wie mit Smarties um sich- und zerstören dabei Menschenleben.

Kommen dann die durch sie fehlbehandelten Patienten zu Ihnen, um mitzuteilen, daß etwas wirklich Schlimmes seit Einnahme der Homöopathika passiert ist, werden die Betroffenen mit den Klassikern wie "Erstverschlimmerung" und "das kann doch gar nicht sein" oder "das war sicher schon in Ihnen, das sind alte Symptome!" etc abgefertigt. Denn: es ist ja auch zu erschreckend, der Wahrheit ins Auge zu sehen- und darüber hinaus erkennen zu müssen, daß man gegen die Geister, die man mittels der Homöopathika rief, absolut wehrlos ist.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich weitere Betroffene (=Homöopathie- Opfer) mit mir in Verbindung setzen würden.

diufish
Beiträge: 34
Registriert: 12. Jun 2013, 12:34

Re: Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Beitragvon diufish » 14. Okt 2014, 16:15

Liebe Pipapo,

es tut mir sehr leid für Dich, daß Deine homöopathische Behandlung so verlaufen ist. Meiner Meinung nach, gibt es gerade im Bereich der sogenannten konstitutionellen Behandlung sehr viel Verwirrung (ich habe dazu an anderer Stelle schon geschrieben). In der Homöopathie darf es nur um die Behandlung pathologischer Symptomen gehen. Die Persönlichkeit oder der Charakter ist ersteinmal grundsätzlich nicht pathologisch (mit Einschränkungen)!!! Sogenannte Arzneimitteltypen oder Bilder sind in erster Linie grobe Vereinfachungen und können zur sicheren Arzneibestimmung nicht dienen. Dennoch wird sehr oft so vorgegangen. Eigentlich bedeutet eine homöopathische Behandlung die Bestimmung eines Arzneimittels welches beim Gesunden in der Lage ist, möglichst ähnliche Symptome zu erzeugen ,wie die des Patienten. So einfach ist das. Eigentlich. Es gibt historische Gründe, die dazu gefürt haben, daß die Homöopathie heute oftmals anders, und eigentlich falsch durchgeführt wird. Natürlich können bei falschen Mittel neue Symptome auftauchen und somit den Zustand verändern. Ob das einer Veränderung der Persönlichkeit darstellt ist meiner Ansicht nach Definitionssache. Bei empfindlichen Patienten, was es häufig gibt, und sowieso bei sehr vielen chronischen Zuständen, empfiehlt sich die Gabe von Q-Potenzen, da diese sehr fein reguliert werden können. Falls Du Interesse hast, Dich von einem Homöopathen behandeln zu lassen, der nach der ursprünglichen Idee arbeitet und weiss, wie man mit Überempfindlichkeiten umgeht, kann ich evtl. helfen einen Behandler in Deiner Nähe zu finden.

Gruß.

mari-san
Beiträge: 3
Registriert: 18. Jan 2012, 15:26

Re: Grundsatzfrage zu Konstitutionsmittel

Beitragvon mari-san » 15. Dez 2014, 21:46

Hallo Mike und Pipapo,

seid ihr noch im Forum aktiv? Wie ist es euch inzwischen ergangen?
Ich bin "zufällig" wieder über meine Antwort auf diesen Post gestolpert :-)
Falls ihr oder einer von euch meinen Beitrag liest, wäre ich gern an einem erneuten Austausch interessiert.

@Pipapo
Ich kann Deine Ausführungen und Deine Wut sehr gut nachvollziehen. Eine erworbene Überempfindlichkeit oder Verschlimmerung derselben infolge der Gabe falsch gewählter und insbesondere hochpotenzierter Arzneien ist meines Wissens in der homöopathischen Literatur häufiger geschildert worden. Dennoch scheint es auch für solche Fälle gewisse Spielräume für eine Weiterbehandlung zu geben, z.B. durch extrem starke Verdünnungen passend gewählter Mittel, u.a. solcher, die eine starke Sensibilität sowohl auf allopathische als auch homöopathische Substanzen im Mittelbild einschließen. Ich bin immer noch der Meinung, dass die Homöopathie eine gute Behandlungsmethode ist, sofern korrekt angewendet.
Dass es leider zu solchen Komplikationen kommt, scheint mir zum einen daran zu liegen, dass manche Homöopathen nicht damit vertraut sind, wie enorm wirksam und potent (!) die verwendeten Arzneien tatsächlich sind, zum anderen daran, dass sie ihren Patienten nicht auf Augenhöhe begegnen. Zuletzt hängen solche ungünstigen Behandlungsverläufe möglicherweise auch damit zusammen, dass sie zu sehr nach einem festgelegten Schema vorgehen und dadurch die Indivdualität und konstitutionelle Empfindlichkeit des Einzelnen außer Acht lassen. Zum Glück gibt es Homöopathen, die diese Prinzipien ernst nehmen, allerdings bleibt es dann immer noch schwer, den bereits angerichteten Schaden abzumildern oder gar zu beheben.

Es tut mir wirklich leid, dass ihr, wie ich auch, schlechte Erfahrungen machen musstet. Und ich bin immer noch erstaunt und verärgert darüber, dass die Homöopathie in der breiten Bevölkerung, teilweise auch infolge diskreditierender Berichterstattungen in den "Leitmedien", als Humbug oder reine Placebowirkung abgetan wird. Ich habe zum Teil furchtbare Mittelprüfungen durchmachen müssen, mit entsprechenden Einschnitten bezüglich meiner ohnehin schon eingeschränkten Lebensqualität. Gleichzeitig habe ich auch positive Erfahrungen sammeln können, sodass ich (im Moment) noch der Ansicht bin, von dieser Behandlungsmethode profitieren zu können.

Also, falls ihr noch antworten mögt, würde ich mich freuen.

VieleGrüße
mari-san



   

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