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Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

nur für Kräuter & Pflanzen die Heilwirkung besitzen

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Nils
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Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon Nils » 9. Mai 2010, 15:33

Hallo,
mal wieder eine grundsätzliche Kräuter-Frage vom Nils ;)

Ich bin nämlich mal wieder verwirrt - wie immer wenn ich kurz davor bin etwas zu kapieren...
Diesmal betrifft es das Thema Tinkturen und deren Herstellung.

Wenn ich es richtig verstanden habe dann ist

eine Tinktur:
Ein Alkoholauszug von getrockneten Blättern
(Ein Glas Alkohol, Blätter rein [oder auch Blüten, je nachdem], 3 Wochen warm und im Sonnenlich stehen lassen, oft schütteln, abseihen, fertig)

eine Urtinktur
ein Alkoholauszug von frischen Blättern.
(Herstellung wie oben)

So zumindest verstehe ich's wenn ich im Buch von H. Kalbermatten lese.

Aber was ist dann eigentlich ein Frischpflanzenpreßsaft, dern man mit Alkohol haltbar macht? Also Pflanzenteile ausßressen, z.B. 50 ml Preßsaft, und dann mit 50ml Alkohol auffüllen zur Haltbarmachung.
Das ist doch dann auch eine Urtinktur - oder?


Es verwirrt mich immer total, wenn Begriffe nicht eindeutig sind....
Vielleicht kann mich jemand aufklären? Das wäre nett :-)


Danke,

Nils


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Nils
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Re: Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon Nils » 12. Mai 2010, 11:49

Jetzt fange ich schon an hier Selbstgespräche zu führen...
Aber vielleicht interessiert es ja auch noch andere:

Es gibt eine „HAB“ Frischpflanzen-Pressaft-Urtinktur. Die wird aus dem Preßsaft frischer Pflanzen hergestellt, 1:1 mit Alkohol verdünnt, 5 Tage stehen gelassen und dann abgeseiht. Dies ist dann eine Urtinktur, wie sie Hahnemann erstellt hat und wie sie als Ausgangsstoff für homöopathische Mittel verwendet wird.
(nach den Richtlinien des Hompöopathischen Arzneibuches von Dr. Samuel Hahnemann (HAB))

Der Vorteil dieses Verfahren (im Vergleich zur Tinktur mit trockenen oder frischen Blättern): es sollen hier angeblich weniger Schadstoffe in die Tinktur gelangen, da der Alkohol erst NACH dem Pressvorgang hinzugefügt wird. Käme er früher hinzu, würde er alkohol-lösliche Schadstoffe und Schwermetalle von der Blattoberfläche lösen.

(Da bin ich mir aber nicht so sicher, da ja beim Pressen auch viele Pflanzenfasern in den Saft kommen).

Somit habe ich jetzt meine Frage selbst beantwortet... :P

Ciao,

Nils

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Angelika
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Re: Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon Angelika » 12. Mai 2010, 22:04

HAB-Frischpflanzen-Presssaft-Tinkturen sind genau genommen keine Tinkturen, wenn man unter Tinktur einen alkoholischen Auszug versteht. Weil sie aber ähnlichen Inhalts sind und gleich wirken, werden sie oftmals dennnoch als Tinkturen bezeichnet.

HAB-Tinkturen werden nach der Vorschrift 1 des homöopathischen Arzneibuches (HAB) folgendermassen hergestellt: Die frischen, gereinigten und abgetrockneten Pflanzenteile werden möglichst schonend ausgepresst und der Saft sofort mit der gleichen Gewichtsmenge Alkohol 86% vermischt. 5 Tage bei maximal 20°C ruhen lassen und dann filtrieren.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Pflanzen selbst nicht mit dem Alkohol in Verbindung kommen. Beim Auspressen bleiben die meist alkohollöslichen Verschmutzungsrückstände (Umweltgifte) auf den Pflanzen. Der Saft ist reiner als bei einer Direktmazeration in Alkohol. Der Alkohol wird hier nur zur Haltbarmachung zugesetzt.
Zum Auspressen der Pflanzen ist allerdings ein guter Entsafter mit Presskolbentechnik erforderlich.

Bericht aus der Gesundheitspraxis
http://www.irchelpraxis.ch/nhk_tradzub_alk_tct.html


LG
Angelika

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Nils
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Re: Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon Nils » 26. Mai 2010, 09:49

Hallo Angelika,

danke für Deine Antwort!
Auch auf die Gefahr daß es jetzt zu sehr ins Detail geht, gleich noch eine Frage...

Einen alkoholischen Auszug macht man, indem man die Kräuter in Alkohol einlegt und 3 Wochen (oder länger) an einem warmen Ort stellt. Bei mir also das sonnenbeschienene Fensterbrett. Zumindest so habe ich letzten Sommer meine Spitzwegerich Tinktur gemacht - und die hat wirklich super gewirkt. Und manchmal wurde das Glas schon so richtig war - fast heiß.

HAB-Urtinkturen soll man jetzt aber nach dem Pressen nicht über 20 Grad lagern. Und das verstehe ich nicht ganz. Wieso stelle ich den gepreßten Saft (mit Alkohol) nicht auch in's Warme? Wieso muß der dann kühl gelagert werden? Ist ja im Prinzip nichts anderes als ein alkoholischer Auszug, nur daß die Blätter vorher gepresst wurden und ein großer Teil der Faserstoffe nicht mit in das Glas kommt.

Ich weiß - ich stell' schon wieder Fragen :-)

Nils

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Angelika
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Re: Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon Angelika » 27. Mai 2010, 21:20

Hallo Nils,

da steht doch, dass der reine ausgepreßte Saft nur mit dem Alkohol vermischt wird, und ca. 5 Tage ruhen sollte. Der Alkohol wird hier nur zur Haltbarmachung zugesetzt und braucht nichts mehr herauszulösen. :ok:

LG
Angelika

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Nils
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Re: Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon Nils » 28. Mai 2010, 12:36

Hallo Angelika,

danke für die Antwort. :D
Dann wäre ja jeder Pflanzensaft, den ich mit Alkohol versetze, eine Urtinktur nach HAB?

Also nehme ich ein bischen Apfelsaft, setze Alkohol 1:1 zu, dann habe ich Apfel Urtinktur?

Oder ich nehme Pflanzensäfte z.B. den Brennesselsaft von Schoeneberger, setze Alkohol dazu und habe damit sofort Urtica-Urtinktur?

Sollte das wirklich so einfach sein?
Aber warum kostet dann eine Urtinktur an die 20 Euro, der Preßsaft gerade mal 5 Euro?

Tut mir leid Angelika, ich begreife es leider immer noch nicht ganz.. :eek:

Danke für Deine Hilfe,

Nils


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JohannB
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Re: Tinktur, Urtinktur - Preßsaft und Alkoholauszug

Beitragvon JohannB » 18. Mai 2017, 12:12

Hallo!

1. Die Aussage das man den Ansatz in die Sonne warm stellen soll
ist _oft_ _falsch_. Bestimmte Tinkturen oder Ölmazerate sind
vor Sonnenlicht zu schützen. Ebenso siehe Kaltmazeration.

2. Die Schwermetall-Behauptung:
a) sorgt man als seriöser Pflanzenverarbeiter für Pflanzenhygenie beim Anbau und der Verarbeitung.
Die Kräuter werden im allgemeinen nämlich vor dem Pressen/Einlegen gewaschen und/oder
sonstig gereinigt.

b) Warum sollten die "Schwermetall-Stäube" nur durch Alkohol und Nicht auch durch
Wasser/dem Pflanzensaft transportiert werden?

Ihr erkennt also das besagte Schwermetall-Behauptung Quatsch ist.

Und ob nun Frischsaft, Tinktur oder Ölmazerat zur Anwendung kommt, hängt von der Ideologie und dem Zauber des verarbeiters oder aber wissenschaftlich von den Inhaltsstoffen welche man für einen bestimmten Zweck nutzen möchte.

Dadurch das Kräuterwirkstoffe unterschiedlich verwendet werden können muß man auch spezifische Verarbeitungsverfahren anwenden.

Für NormalAnwender und Haushalts-selbst-phytotherapeuten genügen daher die oft publizierten (teilweise falschen) Methoden.

Will man aber die Stärken der Kräuter effizient nutzen, oder bestimmte Inhaltsstoffe gezielt und verstärkt nutzen, so muß man abweichende/kompliziertere Verarbeitungsverfahren anwenden.

MfG
http://www.spreewaldcreme.de


   

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