Puhh, da stellst du aber eine sehr schwierige Frage.
Zunächst einmal ist ganz klar, dass sich eine Praxis auch betriebswirtschaftlich rechnen muss. Und dazu gehört nicht nur dass all deine Kosten gedeckt sein müssen, sondern du dir auch die Möglichkeit geben musst jetzt oder später investieren und expandieren zu können.
Ebenfalls in die Kalkulation einfliessen, sollte die Vergütung deines unternehmerischen Risikos. Denn dein bisher eingesetztes Kapital - welches du bisher in die Praxis gesteckt hast - muss sich doch zumindest in gleicher Weise erhöhen, als hättest du es in der freien Wirtschaft gutverzinzlich investiert.
Und last but not least muss deine eingesetzte Zeit honoriert werden - also auch noch ein Unternehmerloh dabei herausspringen. Zumindest das - was du in der freien Wirtschaft in der gleichen Zeit verdient hättest.
Ob das alles bei deinen 45 Euro für eine Erstbehandlung herauskommt lässt sich schwer sagen.
Wenn du verantwortungvoll behandelst, gehe ich bei einer Erstanamnanese von mindestens 1 Stunde Zeit aus.
Also ein Stundenlohn von 45 Euro.
Nun - das mag für manch einen nach einem recht guten Stundenlohn klingen.
Aber lasst uns einmal folgende Rechnung aufmachen, welche ich der Monatszeitschrift des Berufsverbandes der "freien Heilpraktiker entnommen habe:
Angenommen du hast folgende Kosten :
Miete, Heizung, Strom, Wasser 750,- x 12 =
9.000,- im Jahr
Versicherungen, Haftpfl. usw 416,66 x 12 =
5.000,- im Jahr
Abschreibungen Ausstattung, Geräte 250,- x 12 =
3.000,- im Jahr
Andere Kosten Tel. Porto Fortbildung usw. 583,33 x 12 =
7000,- im Jahr
Das ergibt
24.000,- Fixkosten im Jahr
Wieviel Stunden im Jahr willst du arbeiten? Wenn du 3-4 Stunden am Tag arbeitest ergibt das ungefähr
1.210 Stunden im Jahr
Um also deine Fixkosten zu decken musst du deine Kosten durch die Stunden teilen, also
24.000 / 1.210 und erhälst dann den Stundenlohn den du benötigst um deine festen Kosten für die Praxis zu decken. In diesem Fall wären das
19,83 Euro.
Damit hast du aber noch keinen einzigen Cent verdient.
Also überlege dir einmal wieviel du im Monat verdienen möchtest um dein privates Leben zu finanzieren. Vergesse dabei bitte nicht an Rücklagen für schlechte Zeiten zu denken. Und krankenversichert und rentenversichert solltest du ja auch sein, oder?
Gehen wir einmal davon aus dass du dafür
3.500 Euro monatlich benötigst (eine durchaus realistische Zahl).
Dann sind das
42.000 Euro im Jahr.
Nun - die müssen aber auch noch versteuert werden. Herr Finanzamt wird auch noch seinen Tribut von deinem Einkommen fordern. Also müssen wir den auch noch mit raufrechnen. Ich weiss jetzt nicht wie hoch dein Steuersatz ist (den kannste bei deinem Steuerberater erfragen), aber gehen wir einmal davon aus, dass dieser 20% beträgt. ,
Die müssen wir dann noch auf deinen gewünschten Nettogewinn draufschlagen
(42.000 x 100) / (100-20) und das ergibt dann
52.500,- Bruttogewinn im Jahr
die erwirtschaftet werden müssen um deinen gewünschten Gewinn zu bekommen.
Das geteilt durch die Stunden die du arbeiten möchtest (in unserem Beispiel waren das ja 1.210) ergibt einen
Stundensatz
43,39 pro Stunde den du haben musst um auf deinen Gewinn zu kommen.
Jetzt rechne noch den Stundensatz hinzu den du benötigst um die festen Kosten zu decken (das waren ja
19,83) und du kommst auf einen Stundensatz von
63,22
Du musst diese Rechnung nicht als für dich verbindlich sehen. Die Zahlen waren reine Beispielwerte. Hier ging es nur darum den Rechenweg aufzuzeigen, wie man am besten seinen Stundensatz berechnet.
Setze einfach einmal die Zahlen ein, die für dich gelten und rechne dir das durch.
Es gibt aber auch noch die Möglichkeit nach der
GebüH (z.B. hier
http://www.heilpraktiker-online.com/kos ... dnung.html) abzrechnen, der Gebührenordnung für Heilpraktiker.
Hier wird nicht nach Stunden abgerechnet sondern nach Leistung.
Du bist nicht verpflichtet diese zu nehmen - Du kannst auch deinen Stundensatz anrechnen. Wie du aber abrechnest musst du im Vorwege mit deinen Patienten eindeutig klären.
Ich hoffe dir ein wenig geholfen zu haben, rate dir aber dringend einen betriebswirtschaftlichen Grundkurs zu besuchen oder dir einen Steuerberater oder Unternehmensberater zu suchen der dich in diesen Angelegenheiten gut berät.
Denn ansonsten gehörst du vielleicht auch bald zu den vielen Heilpraktikeren die zwar sehr gute Heilpraktiker sind - aber schlechte Kaufleute und daher ihre Praxis schneller schliessen mussten als ihre Ausbildung gedauert hat.