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Gesundheitsberater - Frage zur Rechtslage

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Paramedic
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Gesundheitsberater - Frage zur Rechtslage

Beitragvon Paramedic » 13. Dez 2004, 17:41

hallo zusammen,

ich bin nicht ganz sicher, ob hier der richtige platz ist, trotzdem. ich habe eine frage bezüglich der rechtslage zu folgendem beispiel:


eine bekannte von mir hat eine ausbildung in ayurvedischer massage und weiteren massagetechniken absolviert. sie bietet diese dienstleistung zuhause an. jetzt hat man ihr gesagt, sie müsse eine ausbildung zur gesundheitsberaterin absolvieren, um selbstständig in dem o.g. bereich arbeiten zu dürfen. die infogeberin behaubtete, sie habe diese auskunft vom zuständigen gesundheitsamt erhalten. ich persönlich bin der meinung, das dies eine falschinformation ist. es geht hier nicht um eine heilkundeausübung (keine diagnose und keine therapie!) sondern lediglich um massagen im bereich wellnes usw. diese rechtsauffassung habe ich ihr auch erstmal so mitgeteilt mit der zusage mich genau zu informieren.

ich bedanke mich schon jetzt für hilfreiche antworten

daniel


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Ernst
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Beitragvon Ernst » 13. Dez 2004, 21:59

Die Information die sie bekommen hat, lautet sicherlich - sie müsse eine Überprüfung beim Gesundheitsamt machen um Heilpraktiker zu werden. "Gesundheitsberater" ist mit absoluter Sicherheit falsch - denn diese Berufbezeichnung gibt es offiziell nicht.

Was nun die Rechtslage bei ayuvedischer Massage betriftt, so muss man sich einfach nur den § 1 des Heilpraktikergesetzes anschauen. Dieser ist hier in mehreren Beiträgen schon ausführlich beschrieben worden.

Der Begriff Heilunkunde ist dort im Abs. (2) auch ganz genau definiert. Nämlich:
Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommeneTätigkeit zur Feststellung, Heilung und Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.

Wenn wirklich nichts davon bei deiner Bekannten zutrifft, unterliegt sie auch nicht dem Heilpraktikergesetz.

Aber man sollte wirklich ehrlich sein bei der Beurteilung, und Punkt für Punkt abklären ob nicht doch einer der Dinge zutrifft. Zur Not sollte man sich vom Klienten unterschreiben lassen dass er darüber aufgeklärt wurde dass die Behandlung weder von einem Arzt noch von einem Heiilpraktiker durchgeführt wurde und die Behandlung auch nicht eines der Ziele aus dem § 1 (2) HPG verfolgt hat.

Dieses Aufklärungsschreiben bezieht sich auf ein höchstrichterliches Urteil vom Bundesgerichtshof das im Janur dieses Jahres gesprochen wurde.
Zuletzt geändert von Ernst am 24. Dez 2004, 14:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Paramedic
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Beitragvon Paramedic » 14. Dez 2004, 18:05

die informatione lautete, sie müsse eine ausbildung zur gesundheitsberaterin absolvieren um die massagetätigkeit auszuüben. wie o.g. bekam sie diese info von einer bekannten, die sich beim gesundheitsamt informiert hat (zumindest hat diese das behauptet). ich bin auch von dem "stille post phänomen" ausgegangen oder von einer bewussten falschinformation, die gesundheitsberaterausbildung kann sie nämlich innerhalb von 4 (!) tagen für 1.200 € absolvieren !!! ich fürchte, hier geht es wieder einmal um geldverdienerei auf kosten gutgläubiger mitmenschen.

vielen dank ernst für die darstellung deiner rechtsauffassung, ich werde diese information noch als ergänzung weitergeben. hast du einen tip, wie ich an das entsprechende bgh urteil drankomme oder an einen "aufklärungsbogen"?

vielen dank

daniel

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Ernst
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Beitragvon Ernst » 14. Dez 2004, 20:06

Hallo Paramedic
Das ist nicht meine Rechtsauffassung - sondern entspricht zu 100% den Worten des Gesetzes.
Ich habe da keine persönliche Meinung hineininterpretiert, sondern das wiedergegeben was ich u.a. auch bei Lehrgängen für Wellnessberater / Gesundheitsberater doziere - Und das ist das Heilpraktikergesetz
Der Beruf des Gesundheitsberaters ist definitiv kein staatlich anerkanntes Berufsbild und legitimiert auch zu absolut keiner einzigen heilenden Tätigkeit.
Verschiedene Schulen bieten da zwar Kurse an, aber da es kein einheitliches Berufbild gibt, versteht jede Schule etwas anderes darunter und bildet in Zeit und Themen unterschiedlich aus.

Das Urteil findest du u.a. hier:
http://www.dgh-ev.de/download/BverfG-Urteil.pdf

In diesem Urteil ist u.a. zu lesen:
Es muss gewährleistet sein, dass der
Beschwerdeführer die Kranken zu Beginn des Besuchs ausdrücklich darauf hinweist,
dass er eine ärztliche Behandlung nicht ersetzt. Das kann etwa durch einen gut
sichtbaren Hinweis in seinen Räumen oder durch entsprechende Merkblätter, die zur
Unterschrift vorgelegt werden, geschehen


Betrifft zwar Reiki, aber die Rechtssprechung ist da ziemlich klar.
Grüße von der Waterkant
Ernst

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Beitragvon Paramedic » 15. Dez 2004, 19:12

ja ja, is ja schon gut!!! ich habe mich schon gefragt, warum ein kleiner formulierungsfehler solch eine reaktion provoziert. aber, als ich las, das du ebenfalls während solcher "ausbildungen" dozierst, war mir die reaktion fast klar. bezog sich garnicht auf meine formulierung. . . .

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Beitragvon Ernst » 15. Dez 2004, 20:46

War auch gar nicht böse gemeint.

Nur hat es hier schon diverse Diskussionen gegeben - und die wurden zum Teil sehr persönlich und unschön geführt.
Obwohl von der einen Seite nur eindeutige Rechtslagen dargelegt wurden - wollte die andere Seite die Gesetze nicht wahr haben und hat versucht diese mit unterschiedlichen Rechtsauffassungen hin und her zu biegen wie sie ihnen gerade passen.

Ich wollte dem nur vorbeugen - dich aber nicht persönlich angreifen.
Zuletzt geändert von Ernst am 15. Dez 2004, 23:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Kräuterfee » 15. Dez 2004, 20:53

ja ja, is ja schon gut!!! ich habe mich schon gefragt, warum ein kleiner formulierungsfehler solch eine reaktion provoziert. ..
Hallo Paramedic,

Ernst's Reaktion und Klarstellung ist völlig richtig ! - Es legen nämlich viele das Gesetz aus, wie sie es gern brauchen bzw, halten sich überhaupt nicht daran ;)
:wink:
MfG
Kräuterfee

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Beitragvon Mory » 17. Dez 2004, 07:25

Hallihallo, hallöchen,
ich habe da mal eine Frage. Im HP-Gesetz ist ja eindeutig geregelt, wer was an medizinischen Leistungen tätigen darf und wer eben nicht. So gesehen, dürfte ich meinem Kind ja nicht mal einen Hustensaft kaufen, oder? Und wie verhält es sich damit, wenn ich mir selbst, keine Ärztin und noch nicht im Besitz des HP-Scheins, ein Medikament verordne? Z.B. ein homöopathisches Mittel. Wo und wie sind die Grundlagen zur Selbstmedikation rechtlich geregelt? Danke schön für eine Antwort. :) (Wollte kein neues Thema aufmachen, deshalb frage ich hier nach)
Mitakuye Oyasin
Mory

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Beitragvon Rosenfee » 17. Dez 2004, 09:02

Für Dich selbst darfst Du natürlich gerne einen Hustensaft in der Apotheke besorgen - da gibt´s keine rechtlichen Hindernisse :D. - Das liegt im Rahmen der Eigenverantwortlichkeit des Menschen.

:wink: Gruß
Rosenfee

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Ernst
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Beitragvon Ernst » 17. Dez 2004, 09:40

Hallo

Der § 1 Abs. (2) des Heilpraktikergesetzes regelt auch dieses eindeutig.
Denn im ersten Satz steht:

Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommeneTätigkeit.....

Hier ist also eindeutig definiert, dass sich das HPG nur auf eine berufsmäßige Tätigkeit bezieht.
Was innerhalb deiner Familie geschieht ist davon nicht betroffen.
Grüße von der Waterkant
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Beitragvon Mory » 17. Dez 2004, 11:34

Danke schön, was zwei bzw. drei Wörter so ausmachen... :wink:
Mitakuye Oyasin
Mory



   

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