Zum Inhalt

Kamille, Matricaria recutita L.

  • Volkstümliche Namen: Apfelblümlein, Arzeneikamille, Echte Kamille, Feldkamille, Ganille, Helmchen, Hermel, Kopfkamille, Kindbettkamille, Kummerblume, Laugenblume, Mägdeblume, Mutterkraut
    Pflanzenfamilie: Körbchenblütler [Asteraceae]
    Vorkommen: Mitteleuropa; Europa; Asien; Afrika; Nordamerika;
    Wächst: von April bis Novemver

  • Schon die alten Ägypter schätzten die Kamille. Wegen iheres gelben Blütenbodens war sie dem Sonnengott geweiht.
    Arabische Ärzte verwendeten das Kamillenöl zum Einreiben bei Neuralgien.
    Die Griechen und Römer benutzten die Kamille bei Wechselfieber, Gelbsucht und Nierenleiden. Und gekaut sollte sie zum Aufheben eiternder Zahnfleischgeschwüre dienen.
    Bei den Germanen war die Pflanze dem Gott „Baldur“ geweiht. Die am Tag der Sonnenwende (24. Juni) gesammelte Blüte galt besonders heilkräftig. – Heute wartet man nicht mehr so lange, sondern ernte sie bald nach dem Aufblühen.
    Bei Hildegard von Bingen kommt die Pflanze ein bißchen kurz weg. Es wurde vermutlich nur bei Frauenleiden verordnet.
    Im Mittelalter wurde sie bei innerer Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen verordnet, ebenso bei Magenkrämpfen, Magenübersäuerung, Gallen- und Blasenleiden, sowie bei Menstruationsbeschwerden. Hauptsächlich auch bei Wochenbettkrankheiten und zur behandlung der Säuglinge.
  • Beschreibung:

    Die Kamille ist eine einjährige 15- 50 cm hohe, aromatische Pflanze.
    Die Stengel sind aufrecht und kahl und ästig verzweigt.
    Die Blätter sind wechselständig, 2-3 fach gefiedert mit schmal-linealischen, spitzen Abschnitten. Dier Fiederabschnitt ist schmal bis fadenförmig.
    Die langestielten Blütenköpfe sind 12-25 mm breit mit einem kegelförmigen, hohlen Blütenboden. Die Hüllblätter sind lienerisch und grünlichgelb. Die weißen Strahlenblüten sind 12-16mm groß, abstehend oder zurückgeschlagen. Die Scheinblüten sind gelb und 5zipflig.
    Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der kegelförmige und hohle Köpfchenboden, der bei der ähnlichen Duftlosen Kamille (M. inodora) halbkugelig und markig erscheint.
    Kamille findet man an Ruderalstellen, entlang von Äckern und Wegen und Getreidefeldern. Sie befindet sich gern auf stickstoff und nährstoffreiche Böden.
    Tipp: Um die ganzen Wirkstoffe in der Blüte zu erhalten, muß man sie spätestens am fünften Tag nach dem Aufblühen gepflückt werden. Aber vorsichtig: die zarten Blüten sind äußerst druckempfindlich.
    Die Blüten schnellstmöglich in einer dünnen Schicht bei einer Temp bis zu 35 °C trocknen und zwar ohne Umwenden. Dann werden sie in kleine Häufchen zusammengeschoben und etwa 2 Tage liegengelassen. Durch ein Sieb werden sie vom Staub befreit und dann leicht und locker in ein gutschließendes Gefäß geschüttet. Unbedingt vor Feuchtigkeit schützen, sonst verderben sie sehr schnell.

  • Hauptwirkstoffe:

    Der Geruch der Kamille ist aromatisch und ihr Geschmack ist ebenfalls aromatisch schleimig.
    Sie besitzt 0,29-0,65% ätherisches Öl mit (-)-alpha-Bisabolol, alpha-Bisabololoxid A und B, Azulen, geringe Mengen Anthecotulid u.a. Außerdem Flavonoide.
    Arzeneiliche, kosmetische und andere Extraktzubereitungen können zu unterschiedlichen allergischen Raktionen führen. (Ursache dafür ist das Anthecotulid). Die Zahl der Allergiefälle ist aber außerordentlich gering.
    Achtung: Bei der Verwechselung mit der Hundkamille (Anthemis cotula) fallen die allergischen Reaktionen stärker aus, da der Anteil an Anthecotulid viel höher ist (1,8 – 7,3 % !). Versehentlich innerlich angewandt führt es zu Magenbrennen Irritationen und Schwellungen der Schleimhäute.
    Wirkung des Gesamtkomplexes ist antiphlogistisch, spasmolytisch, wundheilungsfördernd, desodorierend und antibakteriell.
    Verwendung: Als Tee, Tinkturen, Auszüge. Äußerlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen, Erkrankungen der Atemwege (Inhalation) und im Anal- und Genitalbereich (Bäder, Spülungen). Innerlich beiSpasmen und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt. Traditionell auch bei innerer Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Menstruationsbeschwerden.
    Homöopathisch: Bei schmerzhafter Menstruation,, Blähungskoliken, Zahnungsbeschwerden und Schlafstörungen bei Kindern, sowie Windeldermatitis.
  • Anwendung:

    Anwendungen – Beschreibungen
    - innerlich: bei Harnbeschwerden, Rheuma
    - inhaliert: bei Asthma und Erkältungen
    - äußerlich: bei Gerstenkorn, Altersjucken, Halsentzündungen, Hautleiden, Abzessen, Ekzemen, Zahnfleischblutungen, schwer heilenden Wunden, Verbrennungen, Unterschenkelgeschwüren, Nagelbetteiterungen
    - Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre (Rollkur)
    - bei Blähungskoliken von Kindern, nächtlicher Reizhusten, Magenkrampf, schmerzstillend und beruhigend
    - Bäder: Afterrisse, Hämorrhoiden, Scheidenentzündungen, Gebärmutterkrämpfe
    - Kamillensäckchen: Geschwüre, Furunkel, Hämorrhoiden
    - Im Haushalt: - Zur Haarwäsche (stärkt den Haarboden, hellt auf), Kräuterkissen
    - In der Küche: - Salate, Geflügelfüllungen, Suppen, Pasteten etc.
    - Im Garten: - ein Kamillenaufguß auf den Kompost gesprüht, fördert die Zersetzung, lockt zahlreiche Nutzinsekten an
  • Sammelzeit:

    Blüten von Mai bis September


(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});


Die Lexikas wurden nach unserm bestem Wissen erstellt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Fehler eingeschlichen haben. Falls sie Fehler entdecken, machen sie uns bitte darauf aufmerksam. Alle Texte und Bilder © Natur-Forum.de. Veröffentlichung oder weitere Nutzung nur mit schriftlicher Erlaubnis


Anmelden

Benutzername:


Passwort:


ANZEIGE